Alle Künstler, denen Sie in der Ausstellung „Experimentieren – vom 17. Jahrhundert bis heute“ begegnen, haben eines gemeinsam: Sie experimentierten ohne Vorbehalte. Indem sie verschiedene Techniken und Materialien ausprobierten, machten sie immer wieder neue Entdeckungen. Und sie näherten sich demselben Thema immer wieder aus einer neuen Perspektive. Dank dieser Experimente entwickelten sie ihr handwerkliches Können zur Meisterschaft. Entdecken Sie Kunstwerke aus der Sammlung des Museum Rembrandthaus von Rembrandt, Hercules Segers, Geertruydt Roghman, Willem den Ouden, Glenn Brown und Guy Vording.
In dieser Ausstellung haben Sie zudem die Gelegenheit, selbst eine Zeichnung anzufertigen – mitten in der Galerie! Probieren Sie verschiedene Papiersorten und Zeichenmaterialien aus. Genau wie die Künstler um Sie herum – von denen jeder einzelne eine Quelle der Inspiration ist.
Experimente mit Bäumen
Hätte Rembrandt ein Motto gehabt, wäre es „nach dem Leben arbeiten“ gewesen. Mit anderen Worten: Beobachten Sie Ihr Motiv sehr genau. Auf diese Weise gelang es ihm, eine Gruppe einsamer Bäume auf einem Hügel äußerst überzeugend darzustellen. Man kann fast hören, wie der herannahende Wind durch die Blätter rauscht. Doch Rembrandt war sicherlich nicht der Einzige mit ausgeprägten Beobachtungsfähigkeiten. In dieser Ausstellung sehen Sie Druckgrafiken von Künstlern aus dem 17. bis zum 20. Jahrhundert, die alle demselben Motiv ihre ganz eigene Note verliehen haben. Auf jeder Druckgrafik ist ein Baum zu sehen, doch keiner gleicht dem anderen.
Experimentiere mit Rembrandt
Tronies waren im 17. Jahrhundert sehr beliebt. Es handelt sich dabei um Porträts von Modellen, die einen bestimmten Typus oder eine bestimmte Emotion darstellen. Rembrandt war ein Meister der Tronies. Zwei davon sind hier zu sehen. Der zeitgenössische Künstler Glenn Brown (1966) nahm Rembrandts Tronies als Grundlage für seine eigene Serie. Auf seinem iPad verwandelte er Rembrandts Kunstwerke in ein wildes Wechselspiel aus Linien. Anschließend fertigte er eine Radierung des neuen Tronies an. Schließlich überlagerte er zwei Radierungen und schuf so die Drucke, die Sie in der Ausstellung sehen.
Experimentieren mit Linien
Willem den Ouden (1928–2025) lebte an der Waal und beschäftigte sich über fünfzig Jahre lang mit der Landschaft. Er suchte nach Möglichkeiten, die Atmosphäre des Flusses einzufangen. Mit nur wenigen Linien stellte er das fließende Wasser, die Spiegelungen der Wolken und den tief hängenden Nebel dar. Er druckte seine Lithografien auf dünnes chinesisches Papier, das auf ein festes Blatt Papier geklebt wurde. Dafür gibt es einen französischen Begriff: „chine collé“. Durch diese Technik steht das Papier leicht hervor, wodurch ein schimmernder Effekt entsteht.
Experimente mit Schwarz
Rembrandt spielte oft mit den Effekten von Licht und Dunkelheit. Nicht nur in seinen Gemälden, sondern auch in seinen Druckgrafiken. Dies ist eine besondere Herausforderung, da man, um einen Druck sehr dunkel zu gestalten, sehr viele Ritzspuren auf der Platte anbringen muss. Die Schwierigkeit besteht darin, Nuancen zu bewahren, damit Details auch in der Dunkelheit sichtbar bleiben. Auch Künstler, die nach Rembrandt kamen, experimentierten damit: Was zeigt man, und was lässt man im Schwarz verschwinden?

